Kolumne des Landrats des Landkreises Weilheim-Schongau Ein Jahr für die Allgemeinheit
Liebe Leserin!
Lieber Leser!
Ob im Altenheim oder bei der Feuerwehr: Jeder junge Staatsbürger sollte sich in den Dienst der Allgemeinheit stellen.
Ob bei der Bundeswehr oder beim Roten Kreuz: Für ein Jahr seines Lebens sollte der junge Mensch verpflichtet werden, Dienst zu tun an der Gesellschaft und ihren Einrichtungen.
Eine solidarische Gesellschaft kann und sollte diese Pflicht von den jungen Bürgerinnen und Bürgern erwarten. Die Wehrpflicht wird eingefordert, ohne die betroffenen jungen Männer nach ihren Wünschen zu fragen. Viele junge Frauen und auch Männer machen ein freiwilliges soziales Jahr, weil sie bei gemeinnützigen Projekten helfen wollen und ein sinnvolles Jahr ihres Lebens der Allgemeinheit schenken möchten.
Unsere Gesellschaft lebt vom solidarischen Miteinander. Das kann aber nicht bedeuten, dass jeglicher Sozialdienst über Beiträge und Steuern finanziert wird. Der Staat blutet aus, wenn die Grundleistungen unserer Gesellschaft nur durch die öffentliche Verwaltung erbracht werden. Das Ehrenamt beweist, dass unser Gemeinwesen mehr ist, als Wohltaten mit öffentlichen Mitteln zu verteilen. Es kommt auf den Einzelnen an und auf dessen Bereitschaft mitzuhelfen, wo Hilfe notwendig ist. Was wäre daran verwerflich, von jungen Frauen und Männern zu verlangen, dass sie ein soziales Pflichtjahr für die Gemeinschaft absolvieren? Für viele junge Erwachsene wäre es ein Chance, sich beruflich zu orientieren; einen Blick auf bis dato unbekannte Tätigkeiten zu werfen und in ihrer Persönlichkeit zu reifen. Jede öffentliche und gemeinnützige Organisation wäre in meinen Augen gleich viel wert, um als „Arbeitgeber“ zu fungieren.
Wer bei der Bundeswehr dienen will, soll dort Soldat werden. Wer beim Technischen Hilfswerk Interesse zeigt, soll dort genommen werden. Der Einsatz als Helfer im Krankenhaus ist dem Dienstjahr im Jugendzentrum gleichwertig. Nur - sich verdrücken geht nicht. Jeder und jede sollte zum Dienst an der Allgemeinheit verpflichtet werden. Dann wäre auch die Frage nach der Wehrgerechtigkeit bereits beantwortet.
Eine Gesellschaft, in der junge Menschen lernen, dass alles mit Geld geregelt wird, kann meines Erachtens nicht funktionieren.
Der persönliche Einsatz vor Ort kann durch nichts ersetzt werden. Wer durch eigenes Mitwirken erfahren hat, wie schwierig Feuerwehr-Einsätze sein können oder was etwa bei der Wasserwacht gefordert wird, der bekommt einen neuen Blick auf die Gesellschaft, von der er den Rest seines Lebens profitiert.
Mit besten Grüßen
Ihr
Dr. Friedrich Zeller