"Blauzungenkrankheit"

Bei der Blauzungenkrankheit (Bluetongue Disease, BT) handelt es sich um eine anzeigepflichtige Tierseuche. Die Virusinfektion wird von bestimmten Insekten (Gnitzen) übertragen, es erkranken vor allem Wiederkäuer (Schafe, Rinder, Ziegen und Wildtiere). Eine direkte Übertragung von Tier zu Tier oder von Tier zu Mensch ist nicht möglich. Der Erreger der Blauzungenkrankheit ist für den Menschen nicht gefährlich. Fleisch und Milchprodukte infizierter oder geimpfter Tiere können daher ohne Bedenken konsumiert werden.Je nach Tierart und Serotyp zeigt sich die Krankheit auf unterschiedliche Weise. So leitet sich der Name der Blauzungenerkrankung von den typischen Symptomen bei schwerem Krankheitsverlauf in Schafen ab. Nach einer Inkubationszeit von nur wenigen Tagen kommt es bei hohem Fieber zu Schwellungen der Kopfschleimhäute und entzündlichen Veränderungen der Mund- und Nasenschleimhäute sowie zu einer Blaufärbung der ebenso stark geschwollenen Zunge; diese Verfärbung wird allerdings nicht regelmäßig beobachtet. Schmerzhafte Entzündungsprozesse im Bereich der Klauen führen zu Lahmheiten. Rinder, Ziegen und Wildwiederkäuer erkranken nicht so häufig wie Schafe und in der Regel milder. Bei schwerer Verlaufsform zeigen sie ein ähnliches Krankheitsbild wie das Schaf.
 
Nähere Informationen dazu finden Sie auf den Internetseiten des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI). 

In Mitteleuropa trat die Blauzungenkrankheit erstmals im August 2006 auf. Ausgehend von den Benelux-Ländern traten bis zum Jahresende weitere Fälle in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Saarland und Niedersachsen auf. Als Erreger wurde BTV-8 festgestellt, ein Serotyp, der bis dahin nur südlich der Sahara, in Asien sowie in Mittel- und Südamerika in Erscheinung getreten war. Überträger (Vektoren) des BTV sind kleine, blutsaugende Mücken (Gnitzen) der Gattung Culicoides. Entomologische Untersuchungen ergaben, dass auch die bei uns beheimateten Gnitzenarten (hauptsächlich C. obsoletus und C. pulicaris Komplex) geeignete Überträger für BTV sind. Wie BTV-8 nach Mitteleuropa gelangt ist, konnte trotz umfangreicher epidemiologischer Untersuchungen nicht geklärt werden. Mögliche Ursachen sind der Import infizierter Wiederkäuer oder der Eintrag infizierter Gnitzen, beispielsweise mit Waren oder Tiertransporten. Das Wiederauftreten der Krankheit im Juni 2007 hat gezeigt, dass BTV-8 in Mitteleuropa überwintern kann. Die ersten Fälle im Jahr 2007 traten in der Region östlich von Köln/Bonn auf, die bereits im Jahr 2006 betroffen gewesen war. Die Krankheit breitete sich sehr schnell in nördliche, östliche und südliche Richtung aus und verursachte eine erhebliche Anzahl klinischer Erkrankungen und große wirtschaftliche Verluste. Der rasante Anstieg von Fällen im Spätsommer ist bedingt durch die verstärkte Aktivität der Stechmücken zu dieser Jahreszeit. Bis Ende 2007 wurden in Deutschland insgesamt 20.623 Fälle gemeldet. Aufgrund des sehr hohen wirtschaftlichen Schadens, den die Blauzungenkrankheit im Jahr 2007 in Europa für Halter von Rindern, Schafen und anderen Wiederkäuern verursacht hat, hat die Europäische Union (EU) beschlossen, bei der Bekämpfung der Seuche auf flächendeckende Impfungen zu setzen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen alle Halter von Rindern, Schafen und Ziegen ihre Tiere impfen lassen (Verordnung zum Schutz gegen die Blauzungenkrankheit, konsol. Fassung vom 03.12.2008,) 
 
Für diese größte Flächenimpfung seit der Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche in den 70er und 80er Jahren wurden in Deutschland über 20 Millionen Impfdosen beschafft. Um der Verbreitung von BTV-8 Einhalt zu gebieten und weitere Tierverluste zu vermeiden, wurde in Deutschland Mitte Mai mit der Impfung von Rindern, Schafen und Ziegen begonnen. Hierfür werden monovalente, d.h. nur gegen BTV-8 gerichtete, inaktivierte Impfstoffe eingesetzt.Im Jahre 2008 ist die Blauzungenkrankheit erneut aufgetreten, und zwar vornehmlich bei nicht oder noch nicht vollständig durch Impfung geschützten Tieren.
 
Da die Impfstoffe zum Zeitpunkt des Impfbeginns noch nicht zugelassen waren, wurde vom Land Mecklenburg-Vorpommern in Zusammenarbeit mit dem FLI eine Studie zur Überprüfung ihrer Unschädlichkeit und Wirksamkeit durchgeführt. Die Impfstudie wurde an insgesamt 1.207 Rindern und 1.456 Schafen aus drei verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben durchgeführt. Die Ergebnisse der Impfstudie zeigen, dass alle drei getesteten Impfstoffe von Rindern und Schafen gut vertragen werden und dass sie keine über das übliche Maß hinausgehende Impfreaktionen hervorrufen.  
Impfstoffe
In der EU und damit auch in Deutschland steht kein Impfstoff gegen Serotyp 8 des Erregers der Blauzungenkrankheit zur Verfügung, der nach der Tierimpfstoffverordnung oder entsprechenden europäischen Regelungen zugelassen wurde. Allerdings werden derzeit Anträge auf Zulassung für entsprechende Impfstoffe bearbeitet, darunter auch für die aktuell in Deutschland eingesetzten Impfstoffe.
Unter der Federführung des Hessischen Ministeriums für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz (HMULV) wurde für alle Bundesländer ein europaweites Ausschreibungsverfahren zur Beschaffung eines Impfstoffes durchgeführt, der gegen den Serotyp 8 des Erregers der Blauzungenkrankheit gerichtet ist. Vier Impfstoffe wurden ausgewählt, die seit Mitte Mai 2008 großflächig zum Einsatz kommen.Diese Impfstoffe sind:

  • BTVPUR Alsap 8 der Firma Merial
  • Zulvac 8 Bovis der Firma Fort Dodge
  • Bluevac 8 der Firma CZ Veterinaria
  • Bovilis BTV 8 der Firma Intervet

Unschädlichkeit und Wirksamkeit dieser vier Impfstoffe wurden im Rahmen eines in Mecklenburg-Vorpommern durchgeführten und vom Friedrich-Loeffler-Institut wissenschaftlich begleiteten Impfversuches untersucht. Dabei haben die zur Verfügung stehenden Impfstoffe die Erwartungen erfüllt.
 
Die vorzeitige Anwendung dieser Impfstoffe wurde über eine Eilverordnung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) ermöglicht.
 
Auch in den von der Blauzungenkrankheit betroffenen anderen Mitgliedstaaten der EU wird derzeit großflächig von der Impfung Gebrauch gemacht.
 
Weitere Informationen zu den in Deutschland eingesetzten Impfstoffen stellt das in Paul-Ehrlich-Institut auf seiner Internetseite  www.pei.de zur Verfügung. Das Paul-Ehrlich-Institut ist in Deutschland für die Zulassung von Tierimpfstoffen zuständig und sammelt Meldungen über Nebenwirkungen von Impfstoffen.  Informationen der durch Krankheitsausbrüche stark betroffenen Bundesländer finden Sie hier
 
PM NRW: http://www.umwelt.nrw.de/ministerium/presse/presse_aktuell/presse081002.php

Mehr Informationen und Merkblätter:

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