Rückblick auf Infoveranstaltung „Smartphonefreie Grundschulzeit im Landkreis

Programm versteht sich als ein Baustein für eine gesunde Medienerziehung von Kindern

Smartphone in der Hand

Auf Einladung des Arbeitskreises Medien im Landkreis Weilheim-Schongau und unter Federführung des Gesundheitsamtes, Sachgebiet Gesundheitsförderung und Prävention, fand am Donnerstag, 26. Februar 2026 eine Online-Infoveranstaltung zu dem Präventionsprogramm „Erst smart. Dann phone. Für eine smartphonefreie Grundschulzeit“ statt. Die Veranstaltung stieß auf großes Interesse: 37 Schulleiterinnen und Schulleiter, Vertreterinnen und Vertreter des Elternbeirats sowie Lehrkräfte informierten sich über Hintergründe, Ziele und Umsetzungsmöglichkeiten des Programms.

Vier Referentinnen und Referenten stellten wissenschaftliche Erkenntnisse vor: Verena Holler (Gründerin Smarter Start ab 14 e.V.), Jörn Kuhr (Moderation der Veranstaltung, Rektor und Medienpädagogischer Berater digitale Bildung im Schulamtsbezirk Weilheim-Schongau), Theresa Dürr (Sozialpädagogin am Gesundheitsamt Weilheim-Schongau) und Sonja Schütz (Sozialpädagogin am Gesundheitsamt Weilheim-Schongau).

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen aktuelle Studien, die belegen, dass Kinder immer früher und intensiver digitale Medien nutzen. Laut KIM-Studie 2024 ( KIM = Kinder, Internet, Medien Basisuntersuchung zum Medienumgang sechs- bis 13-Jähriger)

besitzen bereits 69 % der Zehn- bis Elfjährigen ein eigenes Smartphone. 96 % der Kinder haben ihr Smartphone bei Treffen mit Freundinnen und Freunden dabei. Auch die tägliche Nutzungsdauer steigt deutlich an. Weitere Studien zeigen besorgniserregende Entwicklungen: Jede bzw. jeder vierte Jugendliche gilt als suchtgefährdet (UKE/DAK-Studie Universitätsklinikum Eppendorf / DAK- Studie = DAK (Krankenkasse) Mediensucht-Studie 2024: Problematische Mediennutzung bei Kindern und Jugendlichen), rund 660.000 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 17 Jahren weisen eine problematische Mediennutzung auf.

Neben Risiken wie Schlafmangel, Konzentrationsschwierigkeiten, Angststörungen, Cybermobbing, Cybergrooming und dem Kontakt mit ungeeigneten Inhalten wie Pornografie und Gewalt wurde auf mögliche Beeinträchtigungen von Kreativität, Empathie und sozialer Entwicklung hingewiesen. „Im Internet gibt es kein Nichtschwimmerbecken“, sagte Verena Holler.

Auch viele Eltern erleben die Situation als belastend: 77 Prozent sorgen sich um den Medienkonsum ihrer Kinder (Jugendmedienschutzindex 2022), 75 Prozent sehen negative Auswirkungen (KIM-Studie 2024). Laut einer Forsa-Umfrage für die Körber-Stiftung (Mai 2025) bereitet der Medienkonsum rund der Hälfte der Eltern mit Abstand die größte Sorge.

Das zentrale Problem: Allein gegen den gesellschaftlichen Trend zu entscheiden, ist kaum möglich. Eigene Geräte von Kindern sind längst zur Norm geworden. Hier setzt das Programm an: Statt individueller Einzelentscheidungen werden gemeinsame Elternabsprachen angestrebt. Erfahrungen der Initiative „Smarter Start ab 14“ zeigen, dass die meisten Eltern bereit wären, mit dem eigenen Smartphone ihrer Kinder zu warten – wenn auch andere Eltern mitmachen. „Es geht nicht um eine Verteufelung der Medien, sondern um eine gesunde Medienerziehung“, betonte Sonja Schütz. Die Teilnahme an dem Programm „Erst smart. Dann phone. Für eine smartphonefreie Grundschulzeit“ bedeute nicht, dass eine Grundschule der Digitalisierung negativ gegenüberstehe. „Das Gegenteil ist der Fall: Die Grundschule steht ein für eine gesunde Medienerziehung. Das bedeutet auch, dass ergänzend medienpädagogische Angebote für Kinder, Eltern und Lehrkräfte stattfinden sollten.“

Das Programm basiert auf der Initiative „Smarter Start ab 14“, die 2019 ins Leben gerufen wurde. Als Vorbild dient ein Erfolgsmodell aus Irland, wo seit 2023 hunderte Schulen auf freiwillige Elternvereinbarungen setzen – unterstützt durch die Regierung. Der Kern des Programmes ist eine freiwillige Selbstverpflichtung der Eltern, ihrem Kind im Grundschulalter kein eigenes internetfähiges Smartphone zu überlassen und keine eigenen Social Media-Accounts zu erlauben. Die Umsetzung kann über Schulkonferenzen, Elternabende ab der ersten Klasse sowie über die Integration in den Schulmanager erfolgen. Die Selbstverpflichtung wird jährlich an neue Eltern weitergegeben. Die Materialien wurden bereits an die bayerische Gesetzeslage angepasst und enthalten unter anderem einen QR-Code für eine landkreisweite WhatsApp-Elterngruppe.

Gleichzeitig stärkt das Programm die Schulgemeinschaft und sorgt für öffentliche Anerkennung. Für Kinder bedeutet eine smartphonefreie Grundschulzeit mehr Schlaf, mehr Bewegung, mehr freie Zeit, bessere psychische Gesundheit, stärkere Selbstregulation, gefestigte soziale Kompetenzen und Raum für Hobbys und kreative Entwicklung.

Die Teilnehmerzahl und die positive Resonanz übertrafen die Erwartungen deutlich. Viele Grundschulen im Landkreis signalisierten großes Interesse an einer Beteiligung. Mehrfach wurde Dankbarkeit für den Impuls durch das Gesundheitsamt geäußert. Der Landkreis wäre damit der erste in Deutschland, der das Programm in diesem Umfang umsetzen möchte!

Die zentrale Botschaft der Veranstaltung: Digitale Kompetenzen sind unerlässlich – aber altersgerecht, begleitet und verantwortungsvoll vermittelt – für eine gesunde Entwicklung von Kindern im digitalen Zeitalter.

 

Kategorien: Landkreis

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