Schwammerlzeit - Aber sicher!

"essbar oder giftig?"

Pilz im Wald
Schwammerlzeit

Nach dem schönen und warmen Sommer beginnt aktuell wieder die Pilzsaison. Dabei stellt sich für Schwammerl-Sucher immer auch die Frage „essbar oder giftig?“

Dr. Stefan Günther, der Leiter des Weilheimer Gesundheitsamts berichtet von häufigen Anrufen in der Behörde. „Bis zu 10 Leute rufen aktuell jede Woche an und wollen, dass wir  ihre Schwammerl anschauen“. Eine Pilzberatung wird im Gesundheitsamt allerdings nicht angeboten.

Gleichwohl gibt es allgemeine Tipps, die jeder Schwammer-Sucher beachten kann und mit denen ein Risiko möglichst klein gehalten wird. Diese sind:

  • Sammeln Sie nur Pilze, die Sie 100% sicher als Speisepilz erkennen
  • Verwenden Sie luftige, feste Behälter (z.B. Korb) und keine Plastiktüten
  • Bekannte Speisepilze am besten abschneiden
  • Unbekannte Pilze zum Bestimmen vorsichtig mit der Stiel herausnehmen und immer extra transportieren
  • Niemals zu alte und verdorbene Pilze mitnehmen – auch sie können Pilzvergiftungen verursachen
  • Pilze niemals roh essen! Einige Speisepilze sind roh heftig giftig!
  • Schnecken- und Tierfraß ist kein Hinweis auf Ungiftigkeit!
  • Pilze am gleichen Tag verzehren – sie verderben schnell
  • Pilze ausreichend garen, viele sind roh giftig
  • Nie zu viele Pilze essen – sie sind schwer verdaulich
  • Putzreste aufheben – für den Fall der Fälle
  • Sammeln Sie als Anfänger zum Essen nur Röhrenpilze ohne roten Schwamm! Zwar gibt es auch hier Magen-Darm-Gifte, aber Röhrenpilze sind nicht tödlich. Unter den Lamellenpilzen gibt es einige tödliche Arten!
  • Im Zweifel einen Pilz auf keinen Fall essen. Auch der Blick in ein (evtl. zu altes) Pilzbuch kann täuschen.
  • Falls Sie sich dennoch für einen Pilz näher interessieren oder auf Nummer sicher gehen wollen, bitten Sie einen geprüften Pilzsachverständigen oder Pilzberater um Rat.
  • Vertrauen Sie nicht zu sehr auf die Fachkenntnis ungeprüfter „Schwammerl-
    Jäger“, es könnte tödlich sein!

Schwammer-Sucher können Pilzkörbe zur Pilzkorbkontrolle bei einer geprüften Pilzberatung vorlegen. Beachten Sie bitte, dass unbekannte Pilze nicht abgeschnitten werden sollten, sondern vorsichtig mit der kompletten Stielbasis aus der Erde genommen werden sollten und immer separat zu transportieren sind. Generell stehen alle Pilze unter Naturschutz. Für einige Arten gibt es strenge Sammelbeschränkungen. Bei nicht sicher bestimmten Arten sollten daher nur einzelne Exemplare mitgenommen und der Pilzberatung vorgelegt werden.

Eine nach Postleitzahl geordnete Liste aller bayerischen Pilzberater gibt es auf der Seite der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft im Internet unter www.pilze-bayern.de, von der auch die oben genannten Tipps zum richtigen Sammeln entnommen wurden.

Zusätzlich zu beachten gilt laut Günther, dass in der südbayerische Region nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl im Jahr 1986 immer noch vereinzelt hohe Werte an Cäsium 137 in Walpilzen festgestellt werden. “Diese Substanz hat eine lange Halbwertszeit und ist daher noch nach Jahrzehnten in Walpilzen nachweisbar.“ Das unabhängige Umweltinstitut München e.V. rät daher Schwangeren, stillenden Müttern und Kindern, Wildpilze vom Speiseplan zu streichen – neben der möglichen radioaktiven Belastung auch aufgrund möglicher Belastung mit Schwermetallen.

Das Umweltinstitut bietet für Bürgerinnen und Bürger im Zeitraum von April bis Oktober auch die Möglichkeit einer Radioaktivitätsmessung von gesammelten Waldpilzen an. Nähere Informationen dazu finden Sie auf der Website des Umweltinstituts unter www.umweltinstitut.org im Menüpunkt „Messungen/ Pilze und Lebensmittel“

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