Inklusion

Es ist normal verschieden zu sein

Teilnehmerinnen mit zwei Referentinnen
sitzend, links: Frau Irmgard Haag, Inklusionsfachkraft, Montessoripädagogin
sitzend, rechts: Frau Anne Pulkkinen, Kindergartenlehrerin (Finnland), Supervisorin
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Gespanntes Interesse an der in Paterzell stattfindenden dreitägigen Fortbildung „Inklusion – es ist normal verschieden zu sein“ zeigten die 21 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht nur aus kommunalen Kitas. Uns ist es ein Anliegen, möglichst allen Kindertageseinrichtung im Landkreis ein ortsnahes Angebot zu machen. Wir haben auch Teilnehmerinnen von kirchlichen und freigemeinnützigen Trägern bis hin zum Kindernest einer Elterninitiative und aus Waldkindergärten berichtet Katja Habermann, Fachberaterin für die Kindertageseinrichtungen des Landkreises.

Ganz allgemein ausgedrückt bedeutet Inklusion zunächst einmal, Unterschiedlichkeit zu erkennen und auch zu akzeptieren, erklärt die Sozialpädagogin weiter.

Das angebotene Kompaktseminar ist stets schnell ausgebucht, denn hier geht es darum, wie Inklusion  ganz praktisch im Gruppenalltag umgesetzt werden kann. Der Bedarf wir immer größer, weil Kinder mit Entwicklungsrisiko auch in Regelkindergärten betreut werden. Dies liegt daran, dass zuweilen erst durch die genaue Beobachtung in der Kita ein Förderbedarf aufgedeckt wird oder weil Eltern ausdrücklich eine bestimmte Einrichtung bevorzugen.

 Ob Krippe, Kindergarten oder Hort: Kitas leisten familienergänzend einen wichtigen Beitrag zur Bildung und Erziehung der ihnen anvertrauten Kinder. Auch und erst recht für Kinder, die hinsichtlich ihrer körperlichen, geistigen oder seelischen Entwicklung Unterstützung benötigen, so Habermann. Um jedem Kind die bestmöglichen Bildungschancen einzuräumen, sollten die Arbeitsmethoden an die besonderen Bedürfnisse der Kinder angepasst werden können. Enorm wichtig ist die innere Haltung der Betreuungspersonen für einen wertschätzenden Umgang mit den Besonderheiten der Kinder. Eine solche Haltung muss sich erst entwickeln, Vorurteile und Ängste der Teilnehmerinnen können in der Fortbildungsveranstaltung diskutiert werden. Wir profitieren hier von der Sichtweise und langjährigen Erfahrung der drei eingesetzten Referentinnen, mit denen wir bereits zum 5. Mal in Folge zusammen arbeiten, berichtet Habermann.

  „Bei der pädagogischen Arbeit in unserem Wirkungskreis stoßen wir uns jedoch an vielen Stolpersteinen“ erklärt die teilnehmende Kita-Leiterin Kerstin Hahn aus Schongau in der Abschlussrunde. „Die Gesellschaft wird immer bunter im Hinblick auf Familienformen, Bildung, religiöses und moralisches Werteverständnis. Die Kollegen/innen im Sozial- und Erziehungsdienst stellen sich dieser Herausforderung, müssten jedoch stärker von der Politik unterstützt werden „In der Praxis brauchen wir kleinere Gruppen, Zeit und Mittel zur Vernetzung von allen Fachkräften und Therapeutinnen“ so Hahn.

Damit sprach sie den anderen Teilnehmerinnen aus dem Herzen: „Wir bringen oft unsere ganze Kraft und großes Engagement zum Wohl jedes einzelnen Kindes in die Arbeit ein, aber die Rahmenbedingungen stimmen nicht“ so der allgemeine Tenor. Es mangele überall an Fachkräften, aber auch Vorbereitungszeiten und der kollegiale Austausch kämen zu kurz, weil dafür schlichtweg die Arbeitszeit nicht ausreiche. Vorfälle und Ereignisse, die für die weitere Arbeit mit den Kindern eigentlich zu besprechen wären,  könnten oft nur zwischen Tür und Angel ausgetauscht werden, berichten die Teilnehmerinnen. Geleistete Überstunden würden beim Ausgleich danach als pädagogische Arbeitszeit in der Gruppenarbeit fehlen. Die Umsetzung von günstigeren Bedingungen kostet natürlich Geld, das nicht so leicht zu bekommen ist.

 Dass das Bayerische Kinderbildungs- und –betreuungsgesetz (BayKiBiG) nur die Mindeststandards der personellen und räumlichen  Ausstattung definiert, bestätigt auch Habermann. Auf jeden Fall wünschenswert wäre eine bessere personelle Ausgestaltung in den Kitas, denn die Nachfrage der Familien nach Betreuung ihrer Kinder steigt seit Jahren, ab dem ersten Lebensjahr bis zum Ende der Grundschulzeit,  stetig an. Wir sollten bedenken, dass die soziale Bildung für ein menschliches Miteinander  bereits vor der Schulzeit in den Kindergärten beginnt.  Für unsere Jüngsten sollte der Gesellschaft das Beste gerade gut genug sein, merkt Habermann an.

Und weil das Spannendste an uns Menschen doch unsere Verschiedenheit ist, gingen die Teilnehmerinnen mit diesen abschließenden Gedanken hoch motiviert und voller Tatendrang in ihre Kindertageseinrichtungen zurück.

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