Ein brennend aktuelles Gesellschaftsthema für Eltern und Pädagogen wurde am Donnerstag, den 19.3.2026, im Zugspitzsaal des Landratsamtes Weilheim-Schongau in Weilheim diskutiert: Beim Großen Sucht-Arbeitskreis ging es nicht um Drogen, Alkohol oder andere Substanzen, sondern um Online-Suchtverhalten von Kindern und Jugendlichen. Die Veranstaltung des Gesundheitsamtes (Sachgebiet Gesundheitsförderung und Prävention) stand dieses Mal unter dem Titel: „Medienerziehung heute: Prävention, Intervention und Elternarbeit“.
Mit rund 60 Teilnehmenden war der Große Sucht-AK 2026 außerordentlich gut besucht. „So voll war es bei dieser Veranstaltung noch nie“, sagte Dr. Stefan Günther, Leiter des Gesundheitsamtes, „das zeigt, wie wichtig das heutige Thema ist.“ Der Große Sucht-AK findet einmal jährlich statt und versteht sich bewusst als „Arbeitskreis“, aus dem konkrete Projekte hervorgehen. Die Zielgruppe ist ein breites Fachpublikum, darunter Lehrkräfte, Schulpsychologinnen und -psychologen, Mitarbeiter von Jugendhilfe, Jugendarbeit, Streetwork, Polizei sowie von Fach- und Beratungsstellen. Im Vergleich zu den regelmäßig stattfindenden Präventionskreisen bietet dieses Format einen erweiterten zeitlichen Rahmen und hat bewusst Fortbildungscharakter. Ziel ist es, die Kompetenzen im Bereich der gesunden Medienerziehung zu stärken und die Teilnehmer zu befähigen, in ihrem jeweiligen Arbeitsfeld noch aktiver zu werden.
Als Referent konnte für diesen Tag Daniel Dell´Aquia gewonnen werden – ein ehemaliger selbstständiger Web-Developer, heute Digitaltrainer bei Daniel Wolf (Bestsellerautor „Allein mit dem Handy – so schützen wir unsere Kinder“). „Ich war selbst ein Nintendo-Kind, habe später bei Firmen wie Meta und Google gearbeitet“, berichtete er. „Erst im familiären Umfeld merkte ich, welche hohen Suchtrisiken in diesem Feld für Kinder und Jugendliche da geschaffen werden.“ In seinem praxisnahen Vortrag beleuchtete er die Chancen und Risiken digitaler Medienwelten und gab den Fachkräften wertvolle Impulse für ihre tägliche Arbeit.
Im Fokus der Veranstaltung standen aktuelle Entwicklungen rund um die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen. Anhand von Zahlen, Daten und Fakten wurde deutlich, dass problematischer Bildschirmmedienkonsum unter jungen Menschen weit verbreitet ist und erhebliche Auswirkungen haben kann. Thematisiert wurden vom Referenten unter anderem gesundheitliche Folgen wie Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Kurzsichtigkeit sowie psychische Belastungen wie Depressionen, Ängste und ein gestörtes Selbstbild.
Darüber hinaus wurden Risiken wie Cybermobbing, Cybergrooming und Sextortion aufgezeigt. Auch die Rolle von Algorithmen, die Inhalte gezielt verstärken und beeinflussen können – etwa im Hinblick auf Radikalisierung oder Essstörungen – wurde kritisch beleuchtet.
Ein zentrales Anliegen des Vortrags war es, die digitalen Lebenswelten junger Menschen besser zu verstehen. So wurde deutlich, dass soziale Medien für Kinder und Jugendliche vor allem Orte der Identitätsfindung, Selbstdarstellung und Gruppenzugehörigkeit sind – Aspekte, die eng mit den Entwicklungsaufgaben der Pubertät verknüpft sind.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf konkreten Interventionsansätzen für Eltern und Fachkräfte. Dell‘Aquia plädierte klar für einen dialogorientierten Ansatz statt pauschaler Verbote. Wichtig sei es, mit Kindern im Gespräch zu bleiben, Interesse an deren Mediennutzung zu zeigen und gemeinsam Regeln zu entwickeln.
Zu den von ihm empfohlenen Maßnahmen zählen:
feste Nutzungsregeln wie ein zentraler „Smartphone-Schlafplatz“ außerhalb des Kinderzimmers die Stärkung des Selbstwertgefühls von Kindern durch familiäre Unterstützung sowie die Vorbildfunktion der Eltern im eigenen Medienverhalten Besonders eindrücklich: Viele Kinder wünschen sich selbst mehr klare Regeln im Umgang mit digitalen Medien. „Der einzig sinnvolle Kinder- und Jugendschutz im Internet sind anwesende Eltern“, so Dell’Aquia. Dreiviertel der Kinder wüssten durch Tutorials, wie sie Bildschirmzeit-Apps umgehen können. Von Eltern höre er oft die Frage: Ab wann darf mein Kind ein eigenes Smartphone haben? Die Antwort: „Wenn Sie als Eltern bereit sind, mit Ihrem Kind über Radikalisierung, Gewalt und Pornografie im Internet zu sprechen.“
Das Resümee der Veranstaltung fiel durchweg positiv aus. Durch die fundierte Wissensvermittlung fiel es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern leicht, eine eigene Haltung zum Thema zu entwickeln und konkrete Handlungsschritte abzuleiten. „Wir freuen uns sehr, dass der Große Sucht-AK auch bei diesem wichtigen Thema so stark für Austausch, Vernetzung und Fortbildung im Landkreis gesorgt hat und danken allen, die sich hier positiv eingebracht haben“, sagte Sonja Schütz vom Landratsamt (Gesundheitsförderung und Prävention).
Übrigens: Der Landkreis ist aktuell bei dem Thema auch auf weiteren Ebenen aktiv. Kürzlich wurde das Präventionsprogramm „Erst smart. Dann phone. Für eine smartphonefreie Grundschulzeit“ in den Landkreis geholt. Ziel ist es, Eltern durch gemeinsame Absprachen zu stärken und den Einstieg in die Smartphone-Nutzung bewusst hinauszuzögern. Die hohe Beteiligung an der dazugehörigen Informationsveranstaltung im Februar 2026 zeigt: Das Interesse und der Handlungsbedarf in diesem Bereich sind groß. Damit ist der Landkreis Weilheim-Schongau der erste Landkreis bundesweit, der das Programm in diesem Umfang an den Start bringt.
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