Landkreis wird zur „Region der Lebensretter“
Ein innovatives System stärkt die Rettungskette – und gibt Menschen in Not eine echte zweite Chance. Der Landkreis Weilheim-Schongau wird Teil der Initiative „Region der Lebensretter“. Der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Oberland mit der Integrierten Leitstelle Weilheim startet das System Anfang Mai. Die „Region der Lebensretter“ ist ein appbasiertes System, das bei einem Herz-Kreislaufstillstand qualifizierte Ersthelferinnen und Ersthelfer aus der unmittelbaren Umgebung parallel zum Rettungsdienst alarmiert.
Hintergrund: In Deutschland erleiden jährlich über 50.000 Menschen einen Herz-Kreislaufstillstand. Nur etwa 10 Prozent überleben. Ein entscheidender Faktor ist die Zeit bis zum Beginn der Hilfe. Geht in der Leitstelle ein Notruf ein, werden mehrere Helfer gleichzeitig alarmiert und gezielt eingesetzt:
- Helfer 1 und 2 erreichen den Patienten möglichst schnell (oft unter 4 Minuten) und
beginnen sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen - Helfer 3 holt einen nahegelegenen Defibrillator (AED) und bringt ihn zum Einsatzort
- Helfer 4 unterstützt den Rettungsdienst
Die Auswahl, Aufgabenverteilung und Navigation der Ersthelfer übernimmt eine intelligente App. Sie berücksichtigt Standort, Entfernung, Verkehrsmittel und aktuelle Verkehrsbedingungen. So entsteht eine eng abgestimmte Rettungskette, bei der lebensrettende Maßnahmen oft deutlich früher beginnen als bisher.
Ein zentraler Fortschritt im Landkreis ist die vollständige Erfassung und Verifizierung öffentlich zugänglicher AEDs durch die Gesundheitsregionplus Weilheim-Schongau. Bereits im Juni 2025 wurden alle bekannten Datenbanken und Kommunen abgefragt. Anschließend wurden alle gemeldeten Standorte vor Ort überprüft: Benedikt Wiedemann und Ameli Ruff kontrollierten Zugänglichkeit (24/7), erfassten Fotos und setzten exakte GPS-Punkte. Das Ergebnis: 97 verifizierte, jederzeit öffentlich zugängliche AEDs im Landkreis. Diese sind in der sogenannten „Defi-Map“ hinterlegt – einer integrierten Datenbank innerhalb der App mit automatischem Routing.
Das verändert die Notfallversorgung grundlegend: Bisher wurden AEDs oft nur zufällig eingesetzt, wenn Helfer ihren Standort kannten. Jetzt weiß die Leitstelle genau, welche Geräte verfügbar sind, und kann sie gezielt in den Einsatz einbinden. Ein AED kann so – je nach Lage – innerhalb von wenigen Minuten nach Notruf am Einsatzort sein. „Mit der Einführung der Region der Lebensretter und der flächendeckenden Verifizierung der öffentlich zugänglichen AEDs verändert sich die Erstversorgung bei Herz-Kreislaufstillständen grundlegend“, erklärt Florian Muckenthaler, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst im ZRF Oberland. „Erstmals können wir aktiv dazu beitragen, dass medizinisch geschulte Ersthelfer in der Nähe schnell am Einsatzort eintreffen und auch Defibrillatoren gezielt und intelligent eingebunden werden. Das kann im Einzelfall im wahrsten Sinne des Wortes den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten.“
Medizinisch qualifizierte Personen können sich als Ersthelfer registrieren. Auch das Melden weiterer AED-Standorte oder Unterstützung der Initiative ist möglich.
Weitere Informationen: www.regionderlebensretter.de